Das Projekt

Gesamtplanung


Gesamtplanung

Baubeschreibung

Inhaltsverzeichnis

1. Entwurfsidee
2. Allgemeine Beschreibung
3. Teilräume
4. Entwässerung
5. Beleuchtung
6. Materialien, Ausstattung
7. Bepflanzung


1. Entwurfsidee


Ziel ist es, die Attraktivität der Innenstadt von Viernheim als Einzelhandelsstandort, Kulturort und Wohnstandort zu steigern sowie Viernheim mit seinem attraktiven Nutzungsmix, dem gleichberechtigten Nebeneinander von dörflichen und städtischen Strukturen, einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen und der guten Anbindung an den ÖPNV regional und überregional zu qualifizieren. Dabei geht es vor allem um die Schaffung eines lebendigen und qualitativen Stadtraumes mit hoher Anziehungskraft und Aufenthaltsqualität.

2. Allgemeine Beschreibung


Eine einheitliche Gestaltung und Materialwahl fasst die Innenstadt Viernheim visuell zusammen und schafft einen städtischen Raum mit guter Orientierung und hoher Aufenthaltsqualität.


Die Wegeverbindung der Rathausstraße und Kettelerstraße / Schulstraße mit dem charakteristischen Wegekreuz an der Apostelkirche wird durch die Platzkanten des Apostelplatzes und des Rathausplatzes ablesbar. Das Wegekreuz als Haupteinkaufsstraße und Rückgrat erhält als besondere Betonung ein Aufenthalts- und Funktionsband, welches jeweils alle erforderlichen Funktionen bündelt. Die Eingänge in die Innenstadt, vor allem zum zentralen Wegekreuz, werden durch den deutlichen Wechsel in der Gestaltung klar ablesbar.


Alle Straßenräume erhalten einen einheitlichen Belag. Die Platzflächen innerhalb des Stadtkerns setzen sich durch einen Belagswechsel von dem Straßenraum ab. Sie erhalten eine ihrer Lage und ihren Nutzungsanforderungen entsprechende unterschiedliche Prägung.

3. Teilräume


Straßenräume


Die Beläge der Straßenräume werden durchgängig in niveaugleich verlegtem Betonwerkstein mit Natursteinvorsatz in Großpflaster in Reihenverband gepflastert. Das einheitliche Material schafft eine homogene und durchgängige Erscheinung der Straßenräume.


Als Markierung des historischen Wegekreuzes wird ein Funktionsband in Granit-Kleinstein im Passeverband ausgeführt. Es definiert die Funktions- und Aufenthaltszone innerhalb der Rathausstraße und Kettelerstraße / Schulstraße und nimmt alle Möblierungen sowie die Straßenbäume und auch Kurzzeitparkplätze auf.
Das Funktionsband gliedert den Straßenraum asymmetrisch. Die schmale Seite zwischen Fassade und Funktionsband erhält eine Mindestbreite von 2 m.


Apostelplatz


Der Apostelplatz, einer der wichtigsten öffentlichen Orte der Innenstadt, der vom Rathausplatz durch den Straßenraum der Kettelerstraße getrennt wird, erhält eine großzügige und offene Gestaltung aus
Granitplatten, verlegt in einem Reihenverband mit einem einheitliches Plattenformat. Eingefasst wird der Platz durch ein niveaugleiches Granitplattenband.


Der Platz definiert eine großzügige Fläche rund um die Apostelkirche. Die Rasenfläche des Kirchhofes, die das Kirchengrundstück markiert, wird Teil des Apostelplatzes und als erhöhte Rasenfläche ausgebildet, begrenzt durch eine Natursteineinfassung. Die bestehenden Denkmäler auf dem Kirchhof verbleiben auf der Rasenfläche des Kirchhofs, werden dabei entsprechend der Umgestaltung in ihrem Standort leicht verändert.


Das historische, denkmalgeschützte Mosaikpflaster vor dem Eingang der Kirche wird mit einem tragfähigen Unterbau versehen und wieder eingebaut.


Auf dem Platz an der Kreuzung Rathausstraße / Kettelerstraße wird ein bodengleiches Wasserspiel in einem geschlossenen Wasserkreislauf- und Filtersystem in Form von Fontainendüsen im Plattenbelag angelegt. Einige Bäume aus dem Bestand stehen im Belag als Baumsolitäre auf dem Platz.


Kleinere bestehende Rampen vor den Hauseingängen südlich der Apostelkirche erhalten als Einfassung der Rampen eine niedrige Mauer aus Naturstein.

 

Rathausplatz


Der Rathausplatz, durch den Straßenraum der Kettelerstraße vom Apostelplatz getrennt, erhält gleichermaßen eine großzügige und offene Gestaltung aus Granitplatten im Reihenverband in einem einheitlichen Plattenformat. Die Einfassung des Platzes erfolgt durch ein niveaugleiches Granitplattenband.


Die Eiche wird als Baumsolitär trotz geschädigtem Zustand erhalten. Ein Gutachten vom 23.01.2012 durch Herrn D. Baumgärtner, Sachverständiger für Baumstatik, belegt, dass die Stieleiche durch geeignete Maßnahmen zu erhalten ist.


Zwei Bankelemente befinden sich vor der Kettelerstraße 1A und 1B als Gegenpol zum Apostelplatz und dem Wasserspiel. Die Stieleiche vor der „Town Hall“ erhält eine erhöhte Einfassung in Naturstein.


Wasserstraße


Die Wassertrasse erhält eine verkehrsberuhigte Widmung mit Ausbildung des Belages in grauem Betonpflaster, wie es in der Wasserstraße schon im Bestand vorhanden ist. Die Abgrenzung zum Fußgängerbereich erfolgt über einen 3cm Bordstein.


Die Wasserstraße wird in einem ca. 100 Meter langen Abschnitt zu einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich umgebaut, in dem eine behindertengerechte beidseitig versetzte Bushaltestelle mit einer Bordhöhe von 18 cm in den Straßenraum integriert wird.


Ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ist – in Anlehnung an die Festlegungen der Tempo-30-Zone – laut § 45 Abs. 1d der StVO eine Tempozone mit einer Höchstgeschwindigkeit von weniger als 30 km/h. Er wird in „zentralen städtischen Bereichen mit hohem Fußgängeraufkommen und überwiegender Aufenthaltsfunktion“ empfohlen und findet überwiegend als Tempo-10- oder Tempo-20-Zone Anwendung. Durch die straßenverkehrsrechtliche Zugehörigkeit zur Tempo-30-Zone gelten deren rechtliche Rahmenbedingungen und Richtlinien. Durch die geringen Geschwindigkeiten verbessert sich die Verkehrssicherheit. Vor allem schwächeren Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer und Fußgänger profitieren von dieser Ausweisung.


Die Ausführung des verkehrsberuhigten Geschäftsbereiches erfolgt im Trennprinzip, was bedeutet, dass die Fahrbahn vom Gehweg mittels Bordstein getrennt wird. Durch diese Ausweisung bleibt die Wasserstraße durchgehend als Vorfahrtsstraße ausgewiesen.


Die Planung sieht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20km/h vor, um die Balance zwischen Sicherheit für den Fußgänger und ungehinderten Verkehrsfluss zu gewährleisten. Sowohl die Fahrbahn als auch der Gehweg werden aus einem gleichfarbigen Betonsteinpflaster hergestellt. Als Trennung der beiden Bereiche dient der Bordstein aus Granit. Der Bordstein hat eine Höhe von 3 cm (außer Teilbereich Ausfahrt Fußgängerzone – hier niveaugleich wegen Behindertengerechtigkeit).


Auf den Fußgängerüberweg wird zukünftig verzichtet.


Schulstraße / Hallenbad


Die Einfahrt zur Tiefgarage am Hallenbad erhält eine Umfahrt gegen den Urzeigersinn. 7 Parkplätze sowie die Solitärbäume bleiben im Bereich der Umfahrt erhalten.


Die unmittelbare Umgebung um das Hallenbad wird in die Gestaltung der Straßen- und Platzräume integriert und erhält als Belag den Betonwerkstein der Innenstadt.


Rovigo-Platz


Der Platz vor der Goetheschule wird, wie auf dem Dr.-Kienle-Platz, als klar gefasste Platzintarsie aus Granit-Kleinsteinen im Passeverband ausgeführt sowie einem Einfassungsstein aus Granitplatten ausgebildet.
Drei Baumsolitärpflanzungen erfolgen auf dem Platz. Zwei Doppel-Bänke sind an der Nordseite der Goetheschule positioniert.


Platz Luisenstraße / Kettelerstraße


Der Auswandererbrunnen wird verkleinert und erhält einen in das künftige Ensemble passenden Granittrog. Das dahinter liegende Wanddenkmal wird  ertüchtigt und die umgebende, erhöhte Fläche wird als Pflanzfläche ausgebildet. Durch die Verkleinerung des Auswandererbrunnens erhält die Ulme mehr Raum zur besseren Entfaltung.


Eine weitere Pflanzfläche mit Natursteineinfassung wird im Bereich der zu erhaltenden Robinie gestaltet. Ein Bankelement mit Abfallbehälter befindet sich zwischen den beiden Pflanzflächen in unmittelbarer Nähe des Brunnens. Der Betonpflasterbelag des Straßenraums wird auf dem Platz verlegt.


Dr.-Kienle-Platz


Der Dr.-Kienle-Platz erhält eine Platzintarsie aus Granit-Kleinsteinen im Passeverband und einem Einfassungsstein aus Granit. Über eine Stufe an der Rathausstraße hebt sich der Platz aus der umgebenden Belagsfläche hervor. Diese Stufe ist für die hier verortete barrierefreie Bushaltestelle  mit einer Höhe 18 cm ausgebildet.


Auf der Platzfläche bieten zwei Doppel-Bänke Sitzgelegenheiten unter drei Baumsolitärpflanzungen.


Robert-Koch-Straße


In der Robert-Koch-Straße verbleibt die Bushaltestelle auf der Nordseite am bestehenden Standort und wird barrierefrei ausgebaut. Auch hier wird der Bordstein als Busbord in 18 cm Höhe ausformuliert.
Die bestehende Umfahrt um die Platane bleibt erhalten. Der Großbaum wird mit einer Natursteineinfassung aus Granit eingerahmt.


Der verkehrsberuhigte Bereich wird durch die Rinne aufgeteilt. Einer an die Fußgängerzone hin orientierter Bereich bietet nun für den Fußgänger ausreichend Bewegungsmöglichkeit.


Zugunsten einer Entlastung der Engstelle im Bereich der barrierefreien Bushaltestelle bleiben nur zwei Parkplätze erhalten.


4. Entwässerung


Die Entwässerung des anfallenden Niederschlagswassers auf den befestigten Flächen erfolgt in den
Straßenräumen über eine offene Rinne, welche die Punkteeinläufe in seinen linearen Verlauf aufnimmt. Die Rinne wird durch einen eingebauten  Muldenstein ausgebildet, der parallel zum Funktionsband geführt wird bzw. einseitig im Straßenraum liegt.


Die Platzentwässerung des Apostelplatzes erfolgt über Schlitzrinnen entlang der Platzeinfassungen, während der Rovigo-Platz eine Entwässerung über Punkteinläufe erhält.
Anfallendes Niederschlagswasser auf den Rasen- und Pflanzflächen wird durch die anstehenden Bodenschichten versickert.


5. Beleuchtung


Ziel des Lichtkonzeptes ist es, die Attraktivität von Viernheim überregional als Einzelhandelsstandort,
Kulturort und Wohnstandort auch über das Medium Licht zu stärken. Dabei spielt die räumliche Strukturierung und Differenzierung von Lichtflächen, Lichträumen und Sichtbeziehungen einen sinnstiftenden Beitrag zur Aufwertung der Aufenthaltsqualität und Anziehungskraft der Innenstadt.


Besondere Beachtung findet im Rahmen des Stadtmarketing die Stärkung des Identifikationspotentials Viernheims und seiner architektonisch bedeutenden Gebäude.


Neben der Anstrahlung historisch und baulich wertvoller Gebäudefassaden haben wir für die Apostelkirche ein differenziertes Lichtkonzept aus strukturierender Außenlichtgestaltung erstellt.


Zur Umsetzung dieser Ziele planen wir:


- Leuchten für Wege und Plätze
- Leuchten für Wege und Plätze mit integrierter Fassaden- und Flächenanstrahlung
- bodenintegrierte Leuchten zur Fassadeninszenierung und Baumunterleuchtung.

Die Ausstattung aller Leuchten wird mit energieeffizienten Leuchtmitteln wie Halogen-Metalldampflampen und LED geplant. Somit sind hohe Lichtqualität, gute Farbwiedergabe und minimierte Blendungsbelastung sichergestellt.


Wir streben an, die Leuchten in ein Gesamtkonzept zur Grund- und Veranstaltungsversorgung einzubinden, welches auch szenarisches Licht enthalten kann. Ein hohes Maß an Betriebssicherheit, langer Lebensdauer und Robustheit sichern einen ökologischen und wirtschaftlich effizienten Betrieb. Die Wegebeleuchtung wird über einen einheitlichen Leuchtentyp gewährleistet, der sich in das geplante Funktionsband einfügt.

 
Die Leuchten haben eine Lichtpunkthöhe von ca. 4,5m und strahlen ihr Licht dem zu beleuchtenden Verkehrsraum entsprechend symmetrisch bzw. asymmetrisch breit oder bandförmig ab.


Im Bereich Apostelplatz werden ca. 8m hohe Mastansatzleuchten mit einer Reihe von Ansatzstrahlern eingeplant. Die Strahler haben unterschiedliche Abstrahlcharakteristiken und können so neben Flächen auch Fassaden bzw. Fassadenbauteile gezielt illuminieren. Speziell die Apostelkirche erhält dadurch eine bauteilbezogene differenzierte Beleuchtung.


Ein weiteres Element zur Gebäudeinszenierung bilden Bodeneinbauleuchten. Hier werden  runde Leuchten mit unterschiedlicher Abstrahlcharakteristik für die Beleuchtung der Kirchen-Außenfassaden eingesetzt.


6. Materialien, Ausstattung


Als Materialien finden hochwertige, robuste und langlebige Werksteinbeläge mit Natursteinvorsatz und Natursteinbeläge Verwendung. Granit als Natursteinbelag in unterschiedlichen Formaten und Maßen bildet das hochwertige Gesteinsmaterial für die besonderen Plätze. Das Material wird dort in einem einheitlichen Plattenformat oder in Kleinsteinen im Passeverband eingebaut.


Ausstattungselemente wie Leuchten, Fahrradanlehnbügel, Sitzelemente und Abfallbehälter sind im Funktionsband eingebaut. Große beidseitige Bankelemente stehen auf den Platzbereichen sowie im Funktionsband zwischen den Bäumen. Baumscheiben mit runder Natursteineinfassung kommen auf den Plätzen für Bestandsbäume und Neupflanzungen zum Einsatz. Unterflurbaumroste mit quadratischer Öffnung werden für die Neupflanzungen der Straßenräume eingebaut. Quadratische Baumscheiben mit Stahlbandeinfassung sind für die Bestandsbäume im Straßenraum bzw. auf den Parkplatzflächen vorgesehen. Unterflurbaumroste geben dabei den Wurzelraum der Straßenbäume als Bewegungsfläche in den engen Straßen frei.


Die Pflanz- und Rasenflächen werden entsprechend den Platzeinfassungen durch breite teils erhöhte Sitzeinfassungen in Naturstein eingefasst.


Zweiseitiger Baumschutz in Form der verwendeten Fahrrad-Anlehnbügel ist in den Bereichen der Rathaus-, Ketteler- und Schulstraße vorgesehen.


Alle Solitärbaume erhalten 16 m³ durchwurzelbaren Raum in Form von verdichtbarem Baumgrubensubstrat. Für die Bäume im Funktionsband wird bis zu 1,50 m Tiefe mit verdichtbarem Baumgrubensubstrat verfüllt.


Die Kreuzung Kettelerstraße / Rathausstraße erhält auf dem Apostelplatz ein Wasserspiel in Form von bodengleichen Wasserdüsen.

 

Auf den Plätzen sowie in ausgewählten Straßenzügen ohne Baumpflanzung ist eine Ausstattung mit öffentlichem Schmuckgrün durch mobile Kübel vorgesehen.


Generelles Ziel bei der Auswahl der Ausstattungselemente ist es, robuste und langlebige Möbel sowie optisch zurückhaltende Ausstattungselemente mit zeitlosem Design aus einer Gestaltfamilie einzusetzen.
Durch die bewusste Positionierung der Möbel im Funktionsband werden die Straßen- und Platzräume von störenden Einbauten freigehalten.


7. Bepflanzung


Das Bepflanzungskonzept in der Innenstadt Viernheim sieht verschiedene Baumkategorien vor:


Erhaltenswerte Baumsolitäre werden in die Umgestaltung der Innenstadt integriert. Für die Platzbäume werden mittel- bis großkronige Baumarten ausgewählt, die an die Standortbedingungen im innerstädtischen Raum angepasst sind.


Für den Straßenraum sind mittelkronige Bäume mit schlanker Kronenform vorgesehen, die ebenfalls für die Standortbedingungen ausgesucht sind.

Weitere Informationen und Pläne finden Sie in der >>Mediathek<<.